Menstruelle, vestibuläre und hemiplegische Migräne

Migräne kann sich sehr unterschiedlich äußern. Neben der bekannten Migräne mit oder ohne Aura gibt es weitere Varianten. Eine relativ häufige Sonderform ist die menstruelle Migräne, deren Besonderheit in der Assoziation zum weiblichen Zyklus liegt. Daneben existieren seltenere Formen, die sich durch spezifische Symptome von der „klassischen“ Migräne unterscheiden, wie zum Beispiel die vestibuläre oder die hemiplegische Migräne. 01
Menstruelle Migräne – Zusammenhang mit Hormonen und Zyklus
Viele Frauen erleben Migräneattacken, die regelmäßig im Zusammenhang mit der Monatsblutung auftreten. Dies wird als menstruelle Migräne bezeichnet. 02 Die Attacken treten definitionsgemäß im Zeitfenster 2 Tage vor bis zu 3 Tage nach dem Einsetzen der Regelblutung bei mindestens 2 von 3 Zyklen auf. 02 Zumeist handelt es sich um eine Migräne ohne Aura, also ohne vorausgehende neurologische Ausfallserscheinungen wie Sehstörungen oder Taubheitsgefühle im Gesicht. 03
Als Ursache gilt der Abfall des Hormons Östrogen kurz vor der Menstruation. Zudem gibt es Hinweise, dass die weiblichen Geschlechtshormone auch die Verarbeitung schmerzhafter Reize im Gehirn beeinflussen können. 03
Formen der menstruellen Migräne:
- Rein menstruelle Migräne: Attacken treten ausschließlich im zeitlichen Zusammenhang mit der Periode auf.
- Menstruationsassoziierte Migräne: Attacken treten sowohl im Zusammenhang mit der Periode als auch unabhängig davon auf.
Menstruationsassoziierte Attacken gelten als besonders belastend: Sie können länger andauern, intensiver verlaufen und schwieriger zu behandeln sein. Die Akuttherapie unterscheidet sich aber grundsätzlich nicht von der Standardtherapie der „klassischen“ Migräneattacke. 02

Vestibuläre Migräne – Schwindel als zentrales Symptom
Bei dieser Form stehen Schwindel und Gleichgewichtsstörungen im Vordergrund, die in Kombination mit typischen Migränesymptomen auftreten können. 01,04 Betroffene erleben wiederkehrende Episoden von Schwindel, oft begleitet von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit oder Kopfschmerzen. Die Dauer der Attacken kann von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden reichen. In bis zu 30 % der Fälle kommt es gar nicht zu Kopfschmerzen, aber zu den typischen Migräne-Begleitsymptomen, was die Diagnose erschweren kann. 05
Die Migränekopfschmerzen können zeitgleich mit der Schwindelsymptomatik auftreten, ihr aber auch zeitlich vorausgehen oder nachfolgen. In der Mehrzahl der Fälle treten Schwindel- und Kopfschmerzepisoden jedoch separat und alternierend auf. 04 Für die Behandlung der vestibulären Migräne gelten die gleichen Behandlungsoptionen wie für die „klassische“ Migräne. Gegen den Schwindel selbst gibt es bisher keine spezifische Therapie. 05

Hemiplegische Migräne – familiäre oder sporadische Form
Die hemiplegische Migräne ist eine seltene Sonderform der Migräne mit Aura. Charakteristisch ist, dass während einer Attacke eine vorübergehende motorische Schwäche auftreten kann. Anhand der Familiengeschichte unterscheidet man zwischen familiärer hemiplegischer Migräne und sporadischer hemiplegischer Migräne, bei der keine Verwandten betroffen sind. 01, 06
Typische Anfälle von hemiplegischer Migräne sind durch eine motorische Schwäche gekennzeichnet, die immer mit mindestens einem weiteren Aurasymptom verbunden ist; am häufigsten treten Sensibilitäts-, Seh- und Sprachstörungen auf. Häufig treten zusätzlich Symptome wie Schwindel, Instabilität oder Tinnitus auf. 06
Die Behandlung orientiert sich an den allgemeinen Prinzipien der Migränetherapie und wird individuell durch die Ärztin oder den Arzt festgelegt. Da die Symptome (insbesondere die motorische Schwäche) auch auf andere Erkrankungen hindeuten könnten, ist eine umgehende ärztliche Abklärung notwendig. Die sporadische Form der hemiplegischen Migräne macht eine zerebrale Bildgebung (z. B. CT oder MRT) und gegebenenfalls weitere Untersuchungen zum Ausschluss einer anderen Ursache erforderlich. 01, 06
| Menstruelle, vestibuläre und hemiplegische Migräne verdeutlichen, wie vielfältig das Krankheitsbild sein kann. Jede dieser Sonderformen hat ihre eigenen Merkmale und Auslöser, die eine gezielte ärztliche Abklärung notwendig machen. Entscheidend ist, die individuellen Symptome ernst zu nehmen und gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt den passenden Behandlungsweg zu finden. |
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Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS) The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition. Cephalalgia. 2018 Jan;38(1):1-211. doi: 10.1177/0333102417738202. PMID: 29368949
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Diener H.-C., Förderreuther S, Kropp P., Reuter U. et al., Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie, 2025, DGN und DMKG, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; online: www.dgn.org/leitlinien; (abgerufen am 09.12.2025)
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Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG): Informationen für Patientinnen und Patienten; online: https://www.dmkg.de/assets/uploads/dateien/migraene-und-hormone.pdf; (abgerufen am 09.12.2025)
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DocCheck; online: https://flexikon.doccheck.com/de/Vestibul%C3%A4re_Migr%C3%A4ne; (abgerufen am 09.12.2025)
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Neurologen und Psychiater im Netz, online: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/schwindel/vestibulaere-migraene/; (abgerufen am 09.12.2025)
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Orphanet; online: https://www.orpha.net/pdfs/data/patho/Emg/de/Emergency_HemiplegischeMigraene--dePro1031.pdf; (abgerufen am 09.12.2025)
MIG-DE-NP-00577