Nützliches Wissen: Migräne und Wechseljahre

In den Wechseljahren – auch Klimakterium genannt – verändert sich der Hormonhaushalt des weiblichen Körpers rund um die Menopause, also die letzte Regelblutung (Abb. 1). In dieser Zeit kommt es aufgrund der nachlassenden Funktion der Eierstöcke und des abnehmenden Vorrats an Eibläschen zu Hormonschwankungen, die sich als Zyklusstörungen äußern. 01 Besonders während der Perimenopause, wenn die Regelblutungen unregelmäßiger werden und langsam aussetzen, sind starke Schwankungen der Hormonspiegel im Blut nicht selten. Ein rascher Abfall des Hormons Östrogen kann dann eine Migräneattacke auslösen. Daher kann sich in der Perimenopause aufgrund der schwankenden Hormonspiegel eine Migräne verschlechtern. 01 Zusätzlich treten typische Symptome der Wechseljahre auf wie z.B. Hitzewallungen, urologische Beschwerden, Schlafstörungen und Reizbarkeit. 02
 


Abb. 1: Hormonspiegel im Verlauf der Wechseljahre
  
Mit dem Einsetzen der Postmenopause (Zeit nach der letzten Regelblutung) stabilisiert sich der Hormonhaushalt auf einem niedrigen, gleichbleibenden Niveau (Abb. 1). Viele Frauen erfahren mit dem Einsetzen der Postmenopause auch eine Besserung oder sogar ein Verschwinden ihrer Migräne. Allerdings bleibt die Erkrankung bei einigen Betroffenen unverändert oder verschlechtert sich sogar. In diesen Fällen steigt das Risiko, dass eine bestehende Migräne chronisch wird. 01 Bei einer operativ herbeigeführten Menopause durch Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke ist keine Besserung der Migräne zu erwarten, oft kommt es sogar zur Verschlechterung der Migräne. 03

Behandlung von Wechseljahresbeschwerden bei Patientinnen mit Migräne

Die östrogenmangelbedingten Beschwerden der Wechseljahre wie z. B. Hitzewallungen, depressive Verstimmungen oder auch urologische Beschwerden 02, können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Daher kann in manchen Fällen eine Behandlung der Wechseljahresbeschwerden durch eine Hormonersatztherapie sinnvoll sein. Zur Auswahl stehen hierbei sowohl eine orale Einnahme (Tabletten) von Östrogen-Gestagen-Präparaten als auch eine transdermale Gabe (über die Haut als Gel). Insbesondere bei Patientinnen mit Migräne müssen die individuellen Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen betrachtet werden, da eine Migräne das Risiko für diese Erkrankungen ebenfalls erhöht. Bei der Entscheidungsfindung für oder gegen die Hormonersatztherapie spielt auch die Zeit seit Beginn der Menopause eine wichtige Rolle. Die Einleitung einer Hormonersatztherapie wird ab zehn Jahre nach Beginn der Menopause nicht mehr angeraten. 02 Generell sollte die Dosierung der Hormone möglichst niedrig und mit zunehmendem Alter und kardiovaskulärem Risiko möglichst transdermal erfolgen. 04

Einfluss der Hormonersatztherapie auf die Migräne

Der Einfluss einer Hormonersatztherapie auf die Migräne ist nicht genau vorauszusagen, Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. 01 Es kann sowohl zu einer Verbesserung der Migräne als auch einer Verschlechterung kommen. 01 Bei einigen Patientinnen mit Migräneattacken in der Postmenopause können diese durch eine Hormonersatztherapie verbessert werden. 01 Transdermale, also über die Haut verabreichte Hormonpräparate können gleichmäßigere Hormonspiegel erzeugen und wirken eventuell besser als orale Präparate. 01 Eine maßgeschneiderte Behandlung unter Berücksichtigung der individuellen Risikofaktoren ist bei einer Hormonersatztherapie daher sehr wichtig.  

Behandlung von Migräne im zunehmenden Alter

Bei der Auswahl der Therapie bei älteren Migränepatienten müssen neben dem steigenden kardiovaskulären Risiko auch die Risiken anderer altersgebundener Erkrankungen und weitere medikamentöse Therapien berücksichtigt werden. So dürfen einige Medikamente zur Migränebehandlung oder -prophylaxe im fortgeschrittenen Alter nur noch eingeschränkt eingesetzt werden. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten müssen berücksichtigt werden. 04 05 Es gibt jedoch auch Arzneimittel, die aufgrund anderer Erkrankungen verordnet werden und zusätzlich einen positiven Effekt auf die Migräne haben können. Betablocker (bei Bluthochdruck) und Acetylsalicylsäure (ASS, zur Blutverdünnung) zum Beispiel, können auch zur Prophylaxe, bzw. Behandlung der Migräne eingesetzt werden. 06

Auch in den Wechseljahren können Entspannungsübungen und Sport die Migräne positiv beeinflussen. Weitere Informationen finden Sie in den Artikeln: Tipps zum Einstieg in sportliche Aktivitäten, Stress lass nach und Progressive Muskelentspannung.

Fazit: Patientinnen mit Migräne dürfen also darauf hoffen, dass sich ihre Migräne nach den Wechseljahren bessert oder sogar verschwindet. Für Patientinnen, die keine Verbesserung oder sogar eine Verschlechterung oder ein Neuauftreten der Migräne erfahren, steht neben den verfügbaren Medikamenten zur Migräneprophylaxe und Akuttherapie auch eine Hormonersatztherapie nach Abwägung der Risikofaktoren zur Verfügung.  


  1. Back to contents.

    Waliszewska-Prosół M, Grandi G, Ornello R, et al. Menopause, Perimenopause, and Migraine: Understanding the Intersections and Implications for Treatment. Neurol Ther. 2025;14(3):665-680. doi:10.1007/s40120-025-00720-2

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