Migräne kommt selten allein – wie Begleiterkrankungen die Therapie beeinflussen können

Menschen mit Migräne haben häufig zusätzlich weitere Erkrankungen. Fachleute sprechen dann von Begleiterkrankungen oder Komorbiditäten. Dazu zählen beispielsweise Schlafstörungen 01 02 oder Depressionen. 03 Dass diese Erkrankungen gemeinsam auftreten, ist kein Zufall. Migräne ist eine neurologische Erkrankung, bei der bestimmte Botenstoffe und Mechanismen eine Rolle spielen, die unter anderem auch für den Schlaf, die Schmerzverarbeitung und die Stimmung von Bedeutung sind. Es gibt Hinweise darauf, dass Migräne und diese Erkrankungen miteinander in Zusammenhang stehen.01 02 03 04
Für die Therapieplanung ist es wichtig, diese Zusammenhänge zu berücksichtigen. Die aktuelle Leitlinie zur Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne empfiehlt, die Entscheidung für eine vorbeugende Migränebehandlung nicht nur an der Häufigkeit der Migräneattacken auszurichten, sondern auch bestehende Begleiterkrankungen sowie individuelle Bedürfnisse in die Therapieplanung einzubeziehen. 05

Wann eine Migräneprophylaxe laut Leitlinie in Betracht gezogen werden soll
Nicht jede Migräne erfordert eine medikamentöse Vorbeugung. Neben nicht medikamentösen Maßnahmen und gegebenenfalls Anpassungen des Lebensstils sollte laut Leitlinie eine medikamentöse Prophylaxe unter anderem dann in Betracht gezogen werden, wenn: 05
- Migräneattacken häufig auftreten
- die Attacken besonders schwer verlaufen
- Attacken auf eine Therapie entsprechend den Empfehlungen der Leitlinie zur Akuttherapie nicht ansprechen
- Patientinnen/Patienten die Nebenwirkungen der Akuttherapie nicht tolerieren können
- eine anhaltende Aura besteht
- die Lebensqualität deutlich eingeschränkt ist
| Ob neben nicht medikamentösen Maßnahmen eine medikamentöse Migräneprophylaxe infrage kommt, muss im ärztlichen Gespräch individuell geprüft werden. |

Warum Begleiterkrankungen die Migräneprophylaxe beeinflussen können
Migräne ist eine Erkrankung, die Betroffene oft über viele Jahre begleitet. Eine vorbeugende Therapie sollte sich neben der Attackenhäufigkeit auch am gesamten gesundheitlichen Hintergrund der Patientin/des Patienten orientieren. Laut Leitlinie sollten auch Begleiterkrankungen und die individuellen Bedürfnisse in die Entscheidung für eine migräneprophylaktische Behandlung einbezogen werden. 05
Die Berücksichtigung von Begleiterkrankungen ist unter anderem deshalb von Bedeutung, weil sie Einfluss darauf haben können, ob eine vorbeugende Behandlung individuell geeignet ist. Im Arztgespräch wird deshalb zum Beispiel geprüft: 05
- Können bestimmte Medikamente nicht oder nur eingeschränkt eingesetzt werden?
- Könnten mögliche Nebenwirkungen besonders ungünstig sein, weil jemand ohnehin schon bestimmte Beschwerden hat (z. B. Schlafprobleme, Verstopfung oder depressive Symptome)?
- Werden bereits andere Medikamente eingenommen, sodass Wechselwirkungen berücksichtigt werden müssen?
- Was ist den Betroffenen im Alltag besonders wichtig (z. B. besser planbare Tage bei Schichtdienst)?
Ziel ist es, gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt eine Therapieentscheidung zu treffen, die sowohl die Migräne als auch die gesamte gesundheitliche Situation berücksichtigt. Um die wichtigsten Informationen parat zu haben, kann es hilfreich sein, ein Migränetagebuch zu führen und dieses zum Arztbesuch mitzubringen.
Darüber hinaus ist es wichtig, Begleiterkrankungen oder andere Beschwerden auch dann ausdrücklich im Arztgespräch anzusprechen, wenn sich Betroffene im Alltag bereits darauf eingestellt haben und sie deshalb möglicherweise als normal empfinden. So haben beispielsweise manche Menschen mit Verstopfung ihr Leben in Bezug auf Bewegung, Ernährung und Zeitmanagement bereits an ihre Verdauung angepasst. Eine zusätzliche Belastung der Verdauung, etwa durch mögliche Nebenwirkungen von Medikamenten, kann dann ungünstig sein und sollte im Arztgespräch berücksichtigt werden.
Fazit
Begleiterkrankungen sind bei Migräne häufig und sollten bei der Auswahl einer migräneprophylaktischen Behandlung berücksichtigt werden. 05 Dies kann, in Abstimmung mit der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt, eine patientenindividuelle Therapieentscheidung unterstützen.
Referenzen:
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Tiseo C, et al. J Headache Pain. 2020; 21(1):126
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Diener H.-C., Förderreuther S, Kropp P., Reuter U. et al., Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie, 2025, DGN und DMKG, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 18.02.2026)
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