Migräne im Job – was Betroffene beachten sollten

Wenn Sie diesen Text lesen, weil Sie eine Migränediagnose erhalten haben, sind Sie bereits auf dem richtigen Weg. Ein Großteil der Arbeitnehmer mit Migräne holt deswegen gar keinen ärztlichen Rat ein.01 Eine Migräne kann Ihre Leistungsfähigkeit einschränken, und sie zu ignorieren, verbessert die Situation nicht. Eine ärztliche Migränebehandlung und begleitende Maßnahmen können hingegen einen akuten Anfall lindern und die Zahl der Migräneattacken erheblich verringern. 02 Fakt ist jedoch: Schlägt die Migräne erst einmal zu, kann es nahezu unmöglich sein, weiterzuarbeiten. Viele Betroffene tun dies dennoch, denn sie haben Schuldgefühle und befürchten Konsequenzen bis hin zur Kündigung.


Wegen Ihrer Migräne kann man Ihnen jedoch nicht ohne Weiteres kündigen. Lernen Sie dazu mehr im Artikel: „Das sollten Arbeitnehmer im Krankheitsfall beachten“ und im Artikel „Kündigung – was geht, was nicht geht und wie man sich wehren kann“.

Migräne ist kein Wehwehchen, sondern die zweithäufigste Ursache von krankheitsbedingten Behinderungen weltweit. 03 Sprechen Sie also ruhig selbstbewusst und offen mit Ihren Vorgesetzten. Für Ihre Migräne müssen Sie sich nicht rechtfertigen. Es kann jedoch hilfreich sein zu erklären, dass Sie sich, obgleich behandelt, bei einer akuten Attacke gegebenenfalls zurückziehen oder zu Hause bleiben müssen. Sprechen Sie offen an, dass das nichts mit fehlendem Verantwortungsgefühl oder Interesse für Ihren Job zu tun hat, und dass es in beiderseitigem Interesse ist, durch vorbeugende Maßnahmen Fehltage zu verringern. Dafür haben Vorgesetzte meist ein offenes Ohr. Geben Sie Ihrer Chefin oder Ihrem Chef auch die Gelegenheit, Fragen und Anliegen zu formulieren. Ein transparenter Austausch führt meist zu mehr Verständnis auf beiden Seiten.

Was tun bei einer Migräneattacke am Arbeitsplatz?

Manchmal kündigt sich eine Migräne an, aber nicht immer. Vorzeichen sind meist unspezifische Symptome wie Übelkeit, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit, aber auch Heißhunger, Verstopfung oder Reizbarkeit.  Diese sogenannten Prodromi (Vorzeichen) treten in der Regel eine bis 24 Stunden vor den Kopfschmerzen auf. In dieser Frühphase der Migräne lässt sich der vollständige Ausbruch einer Attacke manchmal noch durch Medikamente abwenden. 04 Gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sollten Sie über eine geeignete Akuttherapie sprechen, um früh reagieren zu können. Kommt die Attacke überraschend oder helfen die Medikamente und nicht-medikamentöse Maßnahmen nicht, sollten Sie Vorgesetzte und Kollegen unverzüglich informieren. Sie können sich dann in einen Ruheraum zurückzuziehen, sofern einer vorhanden ist, oder sich krankmelden und nach Hause gehen.

Migräneauslöser am Arbeitsplatz

Es gibt einige potentielle Migräneauslöser, 05 die in direktem Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz stehen. Sie können vermieden oder zumindest verringert werden, wenn Sie dazu offen mit Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sprechen:

  • flackernde Bildschirme
  • Hektik und Stress
  • intensive Gerüche
  • Lärm und laute Geräusche
  • körperliche Anstrengung

Einige dieser Faktoren lassen sich eventuell abstellen. Trennwände im Großraumbüro können helfen, die Geräuschkulisse zu verringern. Wer lange am Bildschirm arbeitet, sollte seinen Augen Pausen gönnen. Generell können kurze Pausen helfen, Stress abzubauen. Auch Entspannungsübungen oder Übungen für die Augen können helfen. In manchen Berufen erleichtern technische Hilfsmittel körperlich anstrengende Arbeiten. Einige Maßnahmen können Sie einfach selbst umsetzen, bei anderen sollten Sie mit Ihrem Vorgesetzten besprechen, was möglich ist.

Der Umgang mit Vorgesetzten und Kollegen

Ob Sie mit Kollegen über Ihre Migräne sprechen wollen, können nur Sie alleine entscheiden. Verpflichtet sind Sie dazu nicht. Falls Sie sich dazu entscheiden, kann es passieren, dass Kollegen ablehnend oder irritiert reagieren. Die meisten Menschen wissen zwar, was Migräne ist, aber nicht viele haben eine konkrete Vorstellung davon, dass die Auswirkungen weitaus heftiger sind als die von Kopfschmerzen, die jeder Mensch ab und zu hat. Gespräche können für besseres Verständnis sorgen und Missverständnisse oder falsche Vorstellungen aus dem Weg räumen. Gemeinsam können Sie Lösungen finden, wie mit Migräneattacken während der Arbeitszeit umgegangen werden kann.

Allerdings müssen sich Betroffene manchmal mit Vorurteilen oder Missgunst auseinandersetzen. „Der ist doch nur faul“, „Mal wieder eine Ausrede für ein langes Wochenende“ sind nur zwei der vielen Kommentare, denen sich Migränepatienten eventuell gegenübersehen. Ein Patentrezept, was Sie in einer solchen Situation tun können, gibt es nicht. Wichtig ist, die Kritik nicht zu sehr an sich heranzulassen. In schwierigen Situationen können Familie und Freunde, der Arbeitgeber oder ein professioneller Coach Sie unterstützen, eine Lösung zu finden. Manchmal bleibt Ihnen aber nichts anderes übrig, als sich mit der Situation zu arrangieren. Dann kann es besonders wichtig sein, daran zu denken, dass Sie sich für Ihre Erkrankung nicht rechtfertigen müssen.

Der Weg zur Arbeit und zurück

Während einer Migräneattacke ist Autofahren nicht immer erlaubt, vor allem, wenn sie von Schwindel begleitet wird. In den Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung heißt es: „Die vestibuläre Migräne (Migräneschwindel) ist eine häufige Ursache für spontan rezidivierende (wiederkehrende) Schwindelattacken … Während einer Attacke ist die Fahreignung nicht gegeben. Der Beginn ist allerdings nur selten abrupt, daher können in der Regel rechtzeitig Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden.“ 06

Auch Schmerzmittel können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt oder ihrer Ärztin und wägen Sie  für sich selbst gut ab, ob Sie noch fahren können. Lassen Sie das Auto im Zweifelsfall lieber stehen.

Referenzen:

  1. Back to contents.

    Begasse De Dhaem O, Sakai F. Migraine in the workplace. eNeurologicalSci. 2022;27:100408. doi:10.1016/j.ensci.2022.100408

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    Diener H.-C., Förderreuther S, Kropp P. et al. Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie, 2025, DGN und DMKG. https://www.dgn.org/cms-content/030057_LL_Migra%CC%88ne_2025_V7.1_1762431954309.pdf zuletzt aufgerufen: 18.02.2026.

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    Aguilar-Shea AL, Membrilla Md JA, Diaz-de-Teran J. Migraine review for general practice. Aten Primaria. 2022;54(2):102208. doi:10.1016/j.aprim.2021.102208

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    Gao L, Zhao F, Tu Y, Liu K. The prodrome of migraine: mechanistic insights and emerging therapeutic strategies. Front Neurol. 2024;15:1496401. doi:10.3389/fneur.2024.1496401

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    National Institute of Neurological Disorders and Stroke. 10 common migraine triggers and how to cope with them. https://magazine.medlineplus.gov/article/10-common-migraine-triggers-and-how-to-cope-with-them zuletzt aufgerufen: 18.02.2026.

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    Gräcman N, Albrecht M. Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung. https://bast.opus.hbz-nrw.de/opus45-bast/frontdoor/deliver/index/docId/2664/file/Begutachtungsleitlinien+2022.pdf zuletzt aufgerufen: 18.02.2026.

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