Es sind nicht nur die Migräneattacken, die den Alltag belasten können. Menschen mit Migräne neigen dazu, sich zurückzuziehen, weil sie keinem zur Last fallen wollen. Sie sind oft von ihren Schmerzen genervt und können aus Furcht vor einer Migräneattacke soziale Kontakte und Aktivitäten manchmal kaum genießen. Selbst die Vermeidung von Triggern kann eine Herausforderung sein. Wenn Sie ein Fest frühzeitig verlassen müssen, weil es zu laut wird, oder die gemeinsame Fernreise, die Ihr Partner lang ersehnt hat, für Sie nicht drin ist, kann dies das Familienleben erschweren.

Diese Belastungen beeinflussen eine Partnerschaft oder Familie vor allem dann, wenn nicht offen darüber geredet wird. Sprechen Sie über Ihre Situation, Ihre Bedürfnisse und über Wünsche und Sorgen. Gegenseitiges Verständnis und ein liebevoller Umgang sind wichtig, um die alltäglichen Aufgaben gemeinsam zu meistern.

Familie und Freunde – ein starkes Team

Die Migräne kann auf Dauer Veränderungen für das gewohnte Familienleben mit sich bringen. Aufgaben- und Rollenverteilungen können sich ändern. Bei dieser Neuausrichtung ist es wichtig, sich gegenseitig mit Verständnis und Geduld zu begegnen. Sprechen Sie miteinander und finden Sie gemeinsam Lösungen. Keiner der Partner sollte das Gefühl haben, etwas alleine stemmen zu müssen oder für eine Situation alleine verantwortlich zu sein. Nutzen Sie bei Bedarf auch Hilfsangebote von Freunden und Bekannten oder von professionellen Beratern und Selbsthilfeverbänden.

Den Großteil eventuell notwendiger Hilfe wird wahrscheinlich die engere Familie schultern. Aber auch sie braucht manchmal Entlastung. Dann können Sie auf Hilfsangebote von Verwandten und engen Freunden zurückgreifen. Je größer Ihr Netzwerk ist, desto weniger muss jeder Einzelne tragen.

Danke zu sagen ist nicht immer einfach. Versuchen Sie dennoch, darauf zu achten, denn es ist wichtig.

Wie sage ich es meinen Kindern?

Vor allem für Kinder ist es nicht leicht zu verstehen, wenn sich ein Elternteil zurückzieht. Auf Einschränkungen reagieren sie möglicherweise mit Traurigkeit oder Zorn. Planen Sie deshalb weiterhin gemeinsame Freizeitaktivitäten und führen Sie den Familienalltag so normal wie möglich weiter. Sprechen Sie mit Ihren Kindern über die Migräne, damit sie Ihre Situation besser verstehen können. Erklären Sie ihnen, dass Sie bei einer Migräneattacke körperlich nicht in der Lage sein werden, all das zu machen, was sonst möglich ist.

  • Nehmen Sie sich Zeit für ein Gespräch und reden Sie mit Ihren Kindern in entspannter Atmosphäre.
  • Am besten besprechen Sie das Thema Migräne gemeinsam mit Ihrem Partner mit den Kindern.
  • Bereiten Sie sich vor, denn Ihre Kinder können Sie mit Fragen „löchern“.
  • Versichern Sie Ihren Kindern, dass es in Ordnung ist, Fragen zu stellen.
  • Versuchen Sie einfache und altersgerechte Antworten zu finden.

Ältere Kinder und Jugendliche übernehmen oft unbewusst die Verantwortung für einen erkrankten Elternteil. Achten Sie darauf, dass sich Ihre Kinder nicht überfordern und ihre Bedürfnisse nicht zu kurz kommen. Kinder fragen auch oft nach der Ursache für die Krankheit und nehmen manchmal an, dass sie schuld daran sind. Es ist wichtig, den Kindern solche Ängste zu nehmen. Erklären Sie in einfachen Worten, wie die Krankheit entsteht und dass niemand etwas für die Migräne kann.

Migräne in der Partnerschaft

Wie man in einer Partnerschaft mit Migräne umgeht, dafür gibt es kein Patentrezept. Bewahren Sie möglichst viel Normalität im Alltag und planen Sie Zeit für gemeinsame Aktivitäten. Gemeinsam verbrachte Zeit kann zusammenschweißen, Anspannungen abbauen und neue Kräfte freisetzen.

  • Unternehmen Sie zusammen Freizeitaktivitäten wie Kino- oder Museumsbesuche, um zu entspannen.
  • Auch kleine Freuden wie ein Cafébesuch oder ein Besuch bei Freunden steigern die Lebensqualität.
  • Gemeinsame Hobbys bringen Freude und sind ein gutes Gegengewicht zu alltäglichen Pflichten.
  • Bei Ausflügen mit dem Partner können Sie den Kopf auslüften und Kraft tanken.
  • Treiben Sie gemeinsam Sport. Das hält Sie und Ihren Partner fit und lädt die Batterien auf.

Es kann auch hilfreich sein, sich zu Gesprächen zu verabreden, zum Beispiel zu einem Spaziergang, bei dem Sie sich ungestört mit Ihrem Gesprächspartner unterhalten können. In entspannter Atmosphäre und ohne Zeitdruck ist es leichter, auch mal schwierige Themen anzusprechen.

Freiräume bewahren

Zeit für Zweisamkeit zu haben ist unerlässlich. Genauso wichtig ist es, dass sich beide Partner Freiräume bewahren. Ihr Partner fühlt sich in Migränephasen möglicherweise verantwortlich für Ihr Wohl und das Wohl der Familie. Das kann auf Dauer zu einem Gefühl der Überforderung führen. Um das zu verhindern und auch, um Kraft zu tanken und Anspannung abzubauen, ist es hilfreich, wenn sich beide Partner ab und zu eine Auszeit gönnen. Gönnen Sie Ihrem Partner Zeit für Freunde und Bekannte, eigene Hobbys oder einfach einen Spaziergang allein. Nehmen Sie sich auch selbst Zeit dafür.

Um Hilfe bitten ist nicht immer einfach

Es ist gut zu wissen, dass man Menschen um sich hat, die man um Hilfe bitten kann. Konkret zu fragen kann allerdings schwer sein. Menschen mit Migräne wollen meist nicht zur Last fallen. Dabei kann gut geplante Hilfe die ganze Familie entlasten. Überlegen Sie in Ruhe, wo Unterstützung gut wäre und wann Sie lieber darauf verzichten. Zögern Sie nicht, das offen anzusprechen. Familienmitglieder und Freunde wissen nicht immer, ob und wie sie am besten helfen können. Einige haben vielleicht Angst davor, Sie zu verletzen oder sich in Ihr Leben einzumischen. Andere meinen es mit ihrer Hilfe etwas zu gut. Wenn Sie offen über Ihre Bedürfnisse sprechen und klar kommunizieren, wann Sie Hilfe wollen und wann nicht, erhalten Sie die Unterstützung, die Sie brauchen.

Notfallplan und Zeitmanagement

Damit der Alltag bei einer Migräneattacke nicht aus dem Ruder läuft, ist es wichtig vorzusorgen. Hier kann ein gutes Zeitmanagement helfen. Ein gut organisierter Alltag und strukturierte Ausweichlösungen für den Notfall können den Betroffenen im Fall einer Schmerzattacke von einigen Sorgen befreien. Auch ein gutes soziales Netzwerk kann entlasten. Klären Sie deshalb folgende Punkte im Voraus:

  • Was kann liegen bleiben?
  • Was muss erledigt werden?
  • Wer kann unaufschiebbare Aufgaben übernehmen?
  • Wer kann im Notfall die Betreuung der Kinder übernehmen?
  • Abgesehen davon, dass Sie Ruhe brauchen, können oder wollen Sie während der Attacke allein bleiben?

Oder brauchen Sie die Sicherheit und das Gefühl, dass jemand da ist?

Wer die Gewissheit hat, dass Familie und Bekannte hinter ihm stehen und im Notfall wichtige Aufgaben übernehmen, macht sich bei einer Migräneattacke weniger Sorgen.

Service mit Köpfchen

Mit unserem KOPF KLAR-Patientenservice möchten wir Migränepatienten in allen Lebenslagen unterstützen. Dazu haben wir vielfältige Informationsmaterialien entwickelt und bieten verschiedene Services.

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